Naturschutzbüro Zollernalb e.V.

14.03.2019 http://www.naturschutzbuero-zollernalb.de/Meinung/plettenberg/plettenberg02.htm

26.03.2019 Naturschutzverbände gegen weiteren Abbau am Plettenberg

Pressemitteilung vom 26. Februar 2019

Die Meldung ist für die meisten sicherlich nicht überraschend: Eindeutig und mit klaren Worten sprechen sich die Natur- und Umweltschutzverbände im Zollernalbkreis gegen das Vorhaben der Firma Holcim (Süddeutschland) GmbH aus, den Gesteinsabbau am Plettenberg nach Süden erweitern zu wollen.

In der pünktlich zum Stichtag abgegebenen Stellungnahme an die zuständige Immissionsschutzbehörde beim Landratsamt sind es neben grundsätzlichen Erwägungen („am Plettenberg hat der Schutz der Natur Vorrang“) auch die vorgelegten Planungs­unterlagen, die die Kritik der Naturschützer auslösen. So werden zum Beispiel die Irritationen um die korrekte Bezeichnung von Abbau- und Rekultivierungsflächen sowie die Darstellung von „genehmigten Flächen“ heftig angegangen. Tatsächlich sollen ja insgesamt rund 16 ha der seither nicht für den Gesteinsabbau genehmigten Hochfläche abgebaut werden, ohne dass dies in den Antragsunterlagen so eindeutig und klar dargestellt ist.

Auch in die Beurteilung der Erheblichkeit des Eingriffs werden nur die bisher öffentlich zugegebenen 8,78 ha „Erweiterungsfläche“ einbezogen. Die Auswirkungen des Abbaus einer „Rekultivierungsfläche“ ist weder in der Eingriffsbilanz dargestellt, noch kann den Unterlagen entnommen werden, dass diese Fläche ja bereits Teil eines alten Ausgleichs­konzepts ist und damit die alten Eingriffe erneut ausgeglichen werden müssten. Die Naturschützer verlangen deshalb die Vorlage einer neuen Planung mit korrekter Darstellung der Eingriffe.

Ebenso deutlich werden die Beurteilungsgrundlagen kritisiert. Die wesentlichen Erhebungen des Arteninventars stammen aus dem Jahr 2010 – sind also veraltet. Wenigstens müsse klar begründet werden, aus welchem Grund Datenmaterial zur Beurteilung für ausreichend gehalten wird, das älter als 5 Jahre ist. Es seien zwar Nach-Untersuchungen in den Folgejahren genannt, doch eine stichprobenartige Überprüfung habe schwere Mängel ergeben. Extra hierfür hat das Naturschutzbüro die Vogel-Beobachtungen des örtlichen Vogelkundlers Paul Dannecker aus Ratshausen aus dem Jahr 2018 ausgewertet. Und diese Untersuchungen zeigten teilweise ein ganz anderes Bild als die vom Holcim-Gutachterbüro zum Teil sogar an denselben Tagen erhobenen Untersuchungen – da wurden „wertgebende Arten“ (z.B. streng geschützte Arten, Arten der Roten Liste, Arten von EU-weitem Interesse) mitunter offenbar einfach übersehen.

Auch die Auswirkungs-Prognosen von Eingriffen auf einzelne Arten seien kritikwürdig. Ein Beispiel sei die fachlich völlig falsche Bewertung des Vorkommens der Heidelerche: Dieser europaweit in der höchsten Schutzkategorie geführten Vogelart, die früher immer auf dem Plettenberg gebrütet hat und jetzt wieder dorthin zurückgekommen ist, wird von den Planern sogar ein „guter Erhaltungszustand“ attestiert – völlig im Gegensatz zur Einschätzung von Fachornithologen und der Tatsache, dass das Vorkommen auf dem Plettenberg das einzige außerhalb des Truppenübungsplatzes Heuberg und überhaupt das einzige Vorkommen des Wacholderheiden-Ökotyps im weiten Umkreis ist. Vor Jahren wurde im Rahmen des Landes-Artenschutzprogramms mit erheblichem Aufwand ein Projekt zur Ertüchtigung der ehemaligen Heidelerchen-Lebensräume bei Onst­mettingen initiiert – seither ohne jeglichen Erfolg. Jetzt solle hingegen die völlig kostenlos erfolgte Wiederansiedlung der Art auf dem Plettenberg durch den Abbau wieder vernichtet werden, ohne dass dies auch so klar dargestellt werde. Dass, wie von den Planern behauptet, im Zuge der Rekultivierung im Steinbruch neue Brutmöglichkeiten entstehen sollen, müsse bis zum Beweis des Gegenteils als Märchen bezeichnet werden.

So einen „Uffschtand wäga ama Veegele“? Nein, natürlich nicht. Die Heidelerche ist nur ein Beispiel für eine Vielzahl weiterer wertgebender Arten. Deren besondere Bedeutung werde jedoch in den vorgelegten Unterlagen mit zum Teil recht fragwürdigen Argumenten heruntergespielt. In einem Fazit wird die Eingriffs-Ausgleichsbilanz deshalb sowohl methodisch als auch fachlich grob fehlerhaft bezeichnet. Die Naturschützer sehen deshalb keine Möglichkeit, der vorgelegten Planung zuzustimmen.